TEXTILE FORENSIK

VORWÄSCHE

Aïcha Abbadi

KW 18-20

Spiel und Ordnung

 

Du hast mir erzählt, dass du Hüte machst.
Schirmmützen.

Und wie lange machst du das schon?
Seit 3 Jahren.

Hattest du mal längere Haare?
Ja.

Und seit wann hast du sie nicht mehr so lang?
Seit 3 Jahren. (lacht.)

Aïcha Abbadi im Gespräch mit Hatim Alyafi

Die Mützen waren nicht der Grund für Hatim’s Trennung von seinen Haaren, aber die
Entscheidung wurde durch diese mit Sicherheit erleichtert. Über die Jahre wurden sie zum
dauerhaFen, doch wandelbaren Kopfschmuck, zum Spiel mit veränderter äußerer Wirkung.
Etwas, das sofort ins Auge fällt, doch leider bei kaltem Wetter nicht die Ohren bedeckt,
weshalb auch Hatim sie ab und zu durch eine Strickmütze ersetzt.

Welche Eigenschaft macht ein Kleidungsstück zu einem wertgeschätzten Spielzeug
und wann ist die Spielzeit vorbei? Als Franceska den Stapel Kleidung durchgeht, welcher zur
Ausleihe für die Dresserie ausgewählt wurde, fühlt sie sich sofort zu mehr als einem Stück
hingezogen. Ein gelbes gepunktetes Kleid mit einer weichen, hellblauen Strickjacke. Sie
werden bereits mit Vorfreude als komplexe Looks gedacht, welche sie im Alltag tragen
würde, kombiniert mit hand-gemachtem Schmuck und vielleicht einem Paar
Gummistiefeln? Eine verspielte Materialität und eine fröhliche Ausstrahlung sind wichtig,
Eine elegante Funktionalität und allgemeine positive Wirkung.
Mehr noch als die visuelle Wirkung ist es die Vorstellungskraft, welche zum Spiel mit der
Kleidung verleitet, die Ausstrahlung der Einzelteile. Auch hier im Lager gibt es verschiedene
Kategorien, einige Teile dürfen den Raum mit engagierten STREETWARE-Träger:innen
verlassen, andere sollen wiederkommen, während wieder andere zur Weiterverarbeitung
vorbereitet werden. Einer dieser Stapel besteht vor allem aus dunkelgrauen, blauen und
schwarzen Teilen, viel Baumwolle und Polyester, Mäntel, Hosen und zerschnittene
Strumpfhosen, aber auch ein Bikini-Oberteil. In vielen Größen ist etwas dabei, doch zum
spielen scheinen sie sich nicht mehr zu eignen.
Die Prozesse von STREETWARE sind ein stetiger Wechsel zwischen Spiel und Ordnung,
enthusiastischem Entdecken und bedachtem Sortieren und Planen. Die Wäscheständer
werden bei den Nachbarn abgeholt, der Spaziergang mit ihnen durch die Straßen wird zur
Performance mit neugierigem Publikum. Doch vor der großen Inszenierung bleiben sie
zunächst ordentlich aufgereiht, wie die Kleidung selbst, gebügelt und gefaltet, wartend auf
ihren großen Auftritt.
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