Walk with us!

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Hast du Lust auf der Fashion Week zu modeln und STREETWARE, Berlins nachhaltigstes Modelabel, zu präsentieren? Wir kreieren das ultimative Urban Outfit aus weggeworfenen Kleidungsstücken von den Straßen und setzen neue Fashionstandards. Mit STREETWARE kannst du auf der Fashion Week die Modeszene revolutionieren. 

Bei uns können sich ALLE Menschen bewerben, völlig unabhängig von Alter, Kleidergröße, Geschlecht und Aussehen – Du bist perfekt!

Damit du auf unserer Modeshow am 12. September 2021 glänzen kannst, erhältst Du vorab ein professionelles Catwalk-Training und für den großen Auftritt ein individuelles Styling.

Lust, Zeit und Interesse?  Dann füll einfach bis zum 4.9. um 24:00 das Formular aus  und wir melden uns bei dir. 

 

Regenbogen-Zehensocken | Unter Palmen

Regenbogen-Zehensocken | Unter Palmen

Regenbogen-Zehensocken | Unter Palmen

Aïcha Abbadi

KW 21-24

“Iiih, diese Zehensocken, mit so kleinen Fingern, das mag ich gar nicht.”

“Hast du solche schon einmal anprobiert?”

“Nein… Es ist tatsächlich die Ästhetik, die mich stark abschreckt.”

(Gespräch bei der Eröffnung der Dresserie)

 

Mit dem Leih-Ort “Dresserie” in der Fuldastraße und der Tausch-Installation “En Plein Air” am Körnerpark, während des Festivals 48 Stunden Neukölln, verschwimmen bei Streetware die Grenzen zwischen künstlerischer Intervention und “Kund:innen”-naher Mode-Dienstleistung. Der Austausch mit dem Publikum bewegt sich entlang und gegen vorgefertigter Erwartungen. Dies wird deutlich in der Art, in der die Besucher:innen mit beiden Kontexten interagieren. Die Dresserie, temporär in einer Kunst-Galerie aufgebaut, wird von wiederkehrenden Besucher:innen und Nachbar:innen, welche mit den wechselnden Installationen vertraut sind, als konzeptuelle Arbeit aufgefasst.

Für zufällige Passant:innen ist das Leihkonzept oft noch ungewohnt – sie sind auf der Suche nach einem Schnäppchen. Eine Pastorin verlässt die Dresserie mit silbernen Schnürschuhen. Ein Paar ist sich in modischen Experimenten uneinig – trotz der Möglichkeit der Rückgabe verlassen sie den Ort mit leeren Händen. Ein anderes Paar findet sofort Teile zum Behalten – ein taillierter Blazer, eine fließende Lycra-Hose, lange Bermuda-Shorts in dickem grauen Baumwoll-Jersey. Die Reaktionen zu einzelnen Teilen sind eindeutig: persönliche Vorlieben
sind fest etabliert.

Eine fehlende Bandbreite an Größen wird bemerkbar – die Teile von der Straße fallen oft eher klein aus. Bei “En Plein Air” konnten Nachbar:innen die Lücke füllen und verteilten zum weiteren Tausch große Größen auf die Wäscheständer in der Sonne. Fundstücke der Touren zeichnen ein Bild der Lage – eine Runde in der Mittagshitze bringt eine Spur Kinder-Sonnenmützen hervor. Die Gespräche der Besucher:innen drehen sich um nachhaltigen Konsum, den Wert und die Pflege von Kleidung im Laufe der Zeit – aber auch um Eindrücke der Nachbarschaft selbst.

Eine Ansammlung von Wäscheständern unter Palmen in Neukölln – für manche die gewohnte Nachbarschafts-Atmosphäre, für andere eine Irritation, auf welche weitere Fragen folgen: über Kunst, das Soziale, das Handwerk und das gefundene Objekt.

Die Lumpensammler:innen gehen zwar bewusst auf die Suche, um Kleidung zu finden, doch manchmal erscheint es, als ob es eher die Kleidungsstücke sind, welche die Lumpensammler:innen finden. Während Jule die Wäscheständer von “En Plein Air” sortiert, findet sie das Lieblingsoberteil ihrer Kindheit. Längst nicht mehr in ihrem Besitz, könnte es sich um dessen Zwilling handeln, oder sogar doch um das Ihre, welches den Weg zu ihr zurückgefunden hat? Geschulten Auges erblickt Stella ein Mitarbeiter-Sweatshirt eines Genossenschafts-Supermarktes, welcher unter einem geparkten Auto hervorschaut. Auf einer früheren Tour an einem anderen Ort erzählte uns ein Nachbar, er hätte ein ebensolches Sweatshirt, welches er gerade anhatte, auch auf der Straße gefunden und mit Bleiche gebatikt, um es zu personalisieren.

Ein gemeinsames Empfinden der Besucher:innen der “Dresserie” und “En Plein Air” war das Bedürfnis, nach der Pandemie wieder zu “shoppen”, doch ohne das schlechte Gewissen. Ein Nachbar reservierte einen roten Bademantel und eine blaue Velours- Jogginghose zum späteren Tausch, kam dann aus seinem “Palast” mit Parkblick mit einer Tasche Hemden und Jacken zurück, sowie einem Tablett mit Kaffee. Die Ansammlung von Vermögen bringt nur Kummer, philosophierte er über eine Bekanntschaft – stattdessen verfolge er weniger Besitz und mehr Gelegenheiten zum nachbarschaftlichen Austausch.

Aïcha Abbadi in Begleitung einer Besucherin. // Alle fotos © paolo gallo

48 Stunden Neukölln: Frischluftkur für erstickte Stadtkultur

48 Stunden Neukölln: Frischluftkur für erstickte Stadtkultur

48 Stunden Neukölln: Frischluftkur für erstickte Stadtkultur

von Hanna Komornitzyk (29.06.2021) in art-in-berlin
Foto Anne Freitag

[…]  Vor der Galerie im Körnerpark sind 48 Wäscheständer aufgestellt, während im Hintergrund eine Jazzband spielt: Jeder von ihnen ist mit Kleidung behängt, die gegen Spende mitgenommen oder durch eigene ersetzt werden kann. Hinter der Aktion
En Plein Air steht das Projekt STREETWARE, das Kleidungsstücke aus den Straßen sammelt und wieder aufbereitet. Ein gesellschaftlicher Protest, der sich nicht nur unter freiem Himmel abspielt, sondern auch Fast Fashion ist Gegenteil überführt, sie entschleunigt und dauerhaft macht. >online weiterlesen oder Artikel downloaden.

Wäsche En Plein Air

Wäsche En Plein Air

Wäsche En Plein Air

STREETWARE saved item En Plein Air beim Kunst- und Kulturfestival 48 Stunden Neukölln 
am 19. und 20.6.2021 | Installation mit 48 Wäscheständern | Körnerpark Berlin-Neukölln
alle Fotos © Paolo Gallo

Als künstlerischen Beitrag zum Kunst & Kulturfestival  ‘48 Stunden Neukölln’ verwandelte sich das Team von STREETWARE saved item für zwei Tage in Freilichtmaler:innen. Als Ort für unserer Malsitzungen hatten wir die prachtvolle Landschaft des Neuköllner Körnerparks gewählt.

Alice Fassina kündet von der großen Wäsche!

Am frühen Samstagvormittag des 19. Juni, breiteten wir uns vor der Galerie im Körnerpark mit unseren einzigartigen Staffeleien aus und malten mit ungewöhnlichen Farben: Auf 48 Wäscheständern, gesammelt von der Straßen Berlins oder gespendet von Nachbar:innen, hingen unsere ‘saved items’ – die von uns geretteten Kleidungsstücke: Die verfügbare Farbpalette bestand aus der Garderoben der Einwohner:innen Neuköllns und fügte sich zu einem neo-impressionistischen Tableau. 

Die skulpturale Intervention ‘En Plein Air’ nahm unterschiedliche Rollen ein:

Sie war ein Kunstwerk:
Die Wäsche an der frischen Luft erzeugte einen besonderen Kontrast zur Architektur der Galerie in der Orangerie und dem Stil des Parks. Die häusliche Tätigkeit des Waschens und Trocknens wurde diesmal in einer neo-barocken Grünanlageanlage dargestellt und wir spielten mit der Etikette.

Sie war eine partizipative Installation:
Jede:r wurde eingeladen, Kleidungsstücke nach Hause zu nehmen, aus dem eigenen Kleiderschrank mitzubringen oder zu tauschen. Während zweier Tage nahm die Installation ständig neue überraschende und unvorhersehbare Farben und Formen an.

Sie war ein Cluster des zirkulären Austausches von Gedanken:
Wir, die Lumpensammler:innen, boten einen offenen Raum zur Auseinandersetzung mit Fragen der Identität und Sozialität, des Konsums und Produktionsweisen der Mode an. Dass nicht nur der Bedarf, sondern auch die Freude sich zu kleiden uns alle verbindet, unabhängig von Alter, Gender oder Sprache, wurde von einem vielfältigen Publikum bestätigt.

Sie war eine außergewöhnliche Erfahrung:  Die Neugierigsten buchten ein STREET-SHOPPING Tour mit uns und erlebten am eigenen Leib den Spaß an der Arbeit als Lumpensammler:in. Während wir durch den Kiez rollten, um weggeworfene Kleidung zu retten, philosophierten wir über die Auswirkungen der Mode und der globalen Bekleidungsindustrie auf unser Leben und die Umwelt. Keine der Touren kehrte ohne textile Trophäen an fahrbaren Wäscheständer zurück und manches Kleidungsstück fand bereits während der Spaziergang ein:e neu:e Besitzer:in.

Die letzte STREET-SHOPPING Tour wurde von Cryptid, einem haarigen Fee-Wesen, geleitet: als Entität ohne Gender war sie/es/er auf der Suche nach menschlichen ‘i-thems’ und erforschte sie an seinem:ihrem Körper.

Am Sonntagabend, dem 20. Juni, begleitete ein Konzert der Veranstaltungsreihe ‘Sommer im Park’ den Abbau der Installation und wir verließen die barocke Parkanlage mit der Bürger:innen neue Kleider, voller Erinnerung an interessanten Gespräche und berührende Begegnungen.

Wir danken allen STREETWARE Teammitgliedern und Freund:innen, die ‘En Plein Air’ bei  36° C möglich machten:

 Alice Fassina | Hatim Alyafi | Céline Iffli-Naumann | Jan Markowsky | Stella Cristofolini | Lina Tegtmeyer | Aïcha Abbadi | Andreas Herbst | KDindi | Paolo Gallo | Daniela Sant | Jule Kox | Anneta Pap | Therry Konrath | Marie Lou Honert | Chiara Radina |

Und noch: Die Journalistin Hanna Komornitzyk  hat in art-in-berlin- über STREETWARE saved item En Plein Air bei 48 Stunden Neukölln berichtet.

‘En Plein Air’ im Rahmen des Kunst- und Kulturfestivals 48 Stunden Neukölln wurde gefördert durch den Creative Matterz Fund

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CMP – colonial matrix of power

CMP – colonial matrix of power

CMP – the colonial matrix of power

Skulptur in Progress | Second Hand Kleid | Made-in Etiketten
2021 | Idee & Konzept: barbara caveng | Umsetzung: Céline Iffli-Naumann
Installation Alice Fassina | Céline Iffli-Naumann | Lina Tegtmeyer
Vitrine U7 Karl Marx Straße bis 31.7.2021
©Alice Fassina

 

 

Mit Grüßen aus Uganda

ein Brief von barbara caveng

100% Seide, ein fluffiges Sommerkleid mit fließendem Blumenmotiv – für 50 Cent ist es meines. Umgerechnet. Auf dem Markt in Kalerwe am Stadtrand von Kampala bezahle ich 2000 ugandische Schilling. Der Händler lacht und küsst den Schein. Es sei dies, teilt er euphorisch der um einen Kleiderhaufen versammelten Kundschaft mit, sein erstes Geld für den Tag. Es ist immerhin schon 14.30 Uhr. Ich dringe ins Innere des Marktes vor und treffe im Gedränge eine schnelle Entscheidung für drei T-Shirts:

Ein hellgrünes Adidas Shirt, ein Shirt mit dem Aufdruck ‚Straight Outta Kindergarten‘ und eines mit gestickter Werbung für ‚SeCla Gerüstbau‘, inklusive deutscher Mobilfunk-Nummer. Der Schriftzug der Baufirma läuft weiß auf schwarz über den gesamten Rücken. Für das Adidas Shirt besteht der Verkäufer auf einen Preis von 8000 Schilling, also 2 €, die anderen beiden wechseln für je 1,5 € die Hand.

Made in Bulgaria, made in China, made in Honduras, made in Turkey.

Second Hand Kleidung ergießt sich wie Lava über Stadt und Land. Vor unscheinbaren Lagerhallen, in denen sich die 45kg-Ballen stapeln, stehen die Verkäufer:innen Schlange um Ware in Empfang zu nehmen: je 380 Teile Damen-Oberbekleidung vakuumieret in einer Plastikhülle.

Sie versprechen Überleben.

SecondHand Ware  | Kampala 2021

Importiert aus den USA, Japan und Europa.

 

Seit 2017 droht die Regierung den Import von Second Hand Kleidung zu verbieten. Einfuhrzölle wurden erhöht. Mit der Kampagne ‚Buy Uganda Build Uganda‘ sollen die lokale Textilwirtschaft, die Industrie, kleine und mittlere Unternehmen gestärkt werden. Nachhaltigkeit steht im Fokus. Der Export des Rohstoffs Baumwolle geht dennoch weiterhin zu 95% ins Ausland. ‚Die Qualität der Second Hand Ware ist besser, als das was wir zurzeit produzieren können‘, sagt der Großhändler vor seiner vakuumierten Kleiderburg, ‚wir können es uns nicht mal leisten, über Qualität nachzudenken.‘

Darin sind sie sich einig, die, die verkaufen und die, die kaufen.

Uganda ist seit dem 8. Juni für 42 Tage im zweiten Lockdown. Die Pandemie bedroht das Leben der Menschen doppelt: mit dem Tod durch eine Corona-Erkrankung und mit einer Verschlechterung der Lebensbedingungen, in der sich der Hunger zur Armut gesellt.

Beim Wäschewaschen, sagte mir eine Frau, denke sie auch darüber nach, wie ihre Familie überhaupt überleben könne.

Gewaschen wird von Hand. Strom ist keine verfügbare Selbstverständlichkeit. Die Second Hand Kleidung liegt ausgebreitet zum Trocknen auf der Wiese.

Die Leben derjenigen, die in Bangladesch, in Vietnam, in China oder irgendwo sonst auf diesem Planenten unentwegt nähen, um den permanenten Nachschub an fast fashion zu gewährleisten und die Leben jener Menschen – zum Beispiel in Uganda – die die Kleidung auftragen, die von Europäischen Kund:innen bequem in der Online-Filiale bestellt und gleich schon wieder abgestoßen wird, diese Leben werden durch globale ökonomische Interessen und bedenkenlose Konsument:innen aufs Spiel gesetzt.

Die Schneider:innen des Landes, sitzen entweder im Freien an ihren Singer Nähmaschinen mit Pedalbetrieb oder arbeiten im Halbdunkel ihrer Räume. Die Maschine ist ein Schmuckstück: schwarz mit goldenem Schriftzug und geschwungen Ornamenten – die Maschine ist ein Erbe des britischen Kolonialismus: nahtlos wird die koloniale Vergangenheit in die postkolonialeModerne überführt: Second Hand Kleidung flutet und schädigt mit den daraus resultierenden sozial ökonomischen Konsequenzen das Land, die lokale Textilwirtschaft und die Manufakturen werden sich ohne Strom nicht gegen die Industrie durchsetzen können.

Mpigi, Uganda | 29.6.2021

barbara caveng ist zurzeit im Rahmen des ifa Programmes ‚Künstlerkontakte‘ in Uganda. Sie beschäftigt sich u.a. mit dem Handel von Second Hand Textilien und der Praxis der Textilpflege, sowie der Herstellung von Kleidung durch lokale Schneider:innen und Designer:innen

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