Wäsche En Plein Air

Wäsche En Plein Air

Wäsche En Plein Air

STREETWARE saved item En Plein Air beim Kunst- und Kulturfestival 48 Stunden Neukölln 
am 19. und 20.6.2021 | Installation mit 48 Wäscheständern | Körnerpark Berlin-Neukölln
alle Fotos © Paolo Gallo

Als künstlerischen Beitrag zum Kunst & Kulturfestival  ‘48 Stunden Neukölln’ verwandelte sich das Team von STREETWARE saved item für zwei Tage in Freilichtmaler:innen. Als Ort für unserer Malsitzungen hatten wir die prachtvolle Landschaft des Neuköllner Körnerparks gewählt.

Alice Fassina kündet von der großen Wäsche!

Am frühen Samstagvormittag des 19. Juni, breiteten wir uns vor der Galerie im Körnerpark mit unseren einzigartigen Staffeleien aus und malten mit ungewöhnlichen Farben: Auf 48 Wäscheständern, gesammelt von der Straßen Berlins oder gespendet von Nachbar:innen, hingen unsere ‘saved items’ – die von uns geretteten Kleidungsstücke: Die verfügbare Farbpalette bestand aus der Garderoben der Einwohner:innen Neuköllns und fügte sich zu einem neo-impressionistischen Tableau. 

Die skulpturale Intervention ‘En Plein Air’ nahm unterschiedliche Rollen ein:

Sie war ein Kunstwerk:
Die Wäsche an der frischen Luft erzeugte einen besonderen Kontrast zur Architektur der Galerie in der Orangerie und dem Stil des Parks. Die häusliche Tätigkeit des Waschens und Trocknens wurde diesmal in einer neo-barocken Grünanlageanlage dargestellt und wir spielten mit der Etikette.

Sie war eine partizipative Installation:
Jede:r wurde eingeladen, Kleidungsstücke nach Hause zu nehmen, aus dem eigenen Kleiderschrank mitzubringen oder zu tauschen. Während zweier Tage nahm die Installation ständig neue überraschende und unvorhersehbare Farben und Formen an.

Sie war ein Cluster des zirkulären Austausches von Gedanken:
Wir, die Lumpensammler:innen, boten einen offenen Raum zur Auseinandersetzung mit Fragen der Identität und Sozialität, des Konsums und Produktionsweisen der Mode an. Dass nicht nur der Bedarf, sondern auch die Freude sich zu kleiden uns alle verbindet, unabhängig von Alter, Gender oder Sprache, wurde von einem vielfältigen Publikum bestätigt.

Sie war eine außergewöhnliche Erfahrung:  Die Neugierigsten buchten ein STREET-SHOPPING Tour mit uns und erlebten am eigenen Leib den Spaß an der Arbeit als Lumpensammler:in. Während wir durch den Kiez rollten, um weggeworfene Kleidung zu retten, philosophierten wir über die Auswirkungen der Mode und der globalen Bekleidungsindustrie auf unser Leben und die Umwelt. Keine der Touren kehrte ohne textile Trophäen an fahrbaren Wäscheständer zurück und manches Kleidungsstück fand bereits während der Spaziergang ein:e neu:e Besitzer:in.

Die letzte STREET-SHOPPING Tour wurde von Cryptid, einem haarigen Fee-Wesen, geleitet: als Entität ohne Gender war sie/es/er auf der Suche nach menschlichen ‘i-thems’ und erforschte sie an seinem:ihrem Körper.

Am Sonntagabend, dem 20. Juni, begleitete ein Konzert der Veranstaltungsreihe ‘Sommer im Park’ den Abbau der Installation und wir verließen die barocke Parkanlage mit der Bürger:innen neue Kleider, voller Erinnerung an interessanten Gespräche und berührende Begegnungen.

Wir danken allen STREETWARE Teammitgliedern und Freund:innen, die ‘En Plein Air’ bei  36° C möglich machten:

 Alice Fassina | Hatim Alyafi | Céline Iffli-Naumann | Jan Markowsky | Stella Cristofolini | Lina Tegtmeyer | Aïcha Abbadi | Andreas Herbst | KDindi | Paolo Gallo | Daniela Sant | Jule Kox | Anneta Pap | Therry Konrath | Marie Lou Honert | Chiara Radina |

Und noch: Die Journalistin Hanna Komornitzyk  hat in art-in-berlin- über STREETWARE saved item En Plein Air bei 48 Stunden Neukölln berichtet.

‘En Plein Air’ im Rahmen des Kunst- und Kulturfestivals 48 Stunden Neukölln wurde gefördert durch den Creative Matterz Fund

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CMP – colonial matrix of power

CMP – colonial matrix of power

CMP – the colonial matrix of power

Skulptur in Progress | Second Hand Kleid | Made-in Etiketten
2021 | Idee & Konzept: barbara caveng | Umsetzung: Céline Iffli-Naumann
Installation Alice Fassina | Céline Iffli-Naumann | Lina Tegtmeyer
Vitrine U7 Karl Marx Straße bis 31.7.2021
©Alice Fassina

 

 

Mit Grüßen aus Uganda

ein Brief von barbara caveng

100% Seide, ein fluffiges Sommerkleid mit fließendem Blumenmotiv – für 50 Cent ist es meines. Umgerechnet. Auf dem Markt in Kalerwe am Stadtrand von Kampala bezahle ich 2000 ugandische Schilling. Der Händler lacht und küsst den Schein. Es sei dies, teilt er euphorisch der um einen Kleiderhaufen versammelten Kundschaft mit, sein erstes Geld für den Tag. Es ist immerhin schon 14.30 Uhr. Ich dringe ins Innere des Marktes vor und treffe im Gedränge eine schnelle Entscheidung für drei T-Shirts:

Ein hellgrünes Adidas Shirt, ein Shirt mit dem Aufdruck ‚Straight Outta Kindergarten‘ und eines mit gestickter Werbung für ‚SeCla Gerüstbau‘, inklusive deutscher Mobilfunk-Nummer. Der Schriftzug der Baufirma läuft weiß auf schwarz über den gesamten Rücken. Für das Adidas Shirt besteht der Verkäufer auf einen Preis von 8000 Schilling, also 2 €, die anderen beiden wechseln für je 1,5 € die Hand.

Made in Bulgaria, made in China, made in Honduras, made in Turkey.

Second Hand Kleidung ergießt sich wie Lava über Stadt und Land. Vor unscheinbaren Lagerhallen, in denen sich die 45kg-Ballen stapeln, stehen die Verkäufer:innen Schlange um Ware in Empfang zu nehmen: je 380 Teile Damen-Oberbekleidung vakuumieret in einer Plastikhülle.

Sie versprechen Überleben.

SecondHand Ware  | Kampala 2021

Importiert aus den USA, Japan und Europa.

 

Seit 2017 droht die Regierung den Import von Second Hand Kleidung zu verbieten. Einfuhrzölle wurden erhöht. Mit der Kampagne ‚Buy Uganda Build Uganda‘ sollen die lokale Textilwirtschaft, die Industrie, kleine und mittlere Unternehmen gestärkt werden. Nachhaltigkeit steht im Fokus. Der Export des Rohstoffs Baumwolle geht dennoch weiterhin zu 95% ins Ausland. ‚Die Qualität der Second Hand Ware ist besser, als das was wir zurzeit produzieren können‘, sagt der Großhändler vor seiner vakuumierten Kleiderburg, ‚wir können es uns nicht mal leisten, über Qualität nachzudenken.‘

Darin sind sie sich einig, die, die verkaufen und die, die kaufen.

Uganda ist seit dem 8. Juni für 42 Tage im zweiten Lockdown. Die Pandemie bedroht das Leben der Menschen doppelt: mit dem Tod durch eine Corona-Erkrankung und mit einer Verschlechterung der Lebensbedingungen, in der sich der Hunger zur Armut gesellt.

Beim Wäschewaschen, sagte mir eine Frau, denke sie auch darüber nach, wie ihre Familie überhaupt überleben könne.

Gewaschen wird von Hand. Strom ist keine verfügbare Selbstverständlichkeit. Die Second Hand Kleidung liegt ausgebreitet zum Trocknen auf der Wiese.

Die Leben derjenigen, die in Bangladesch, in Vietnam, in China oder irgendwo sonst auf diesem Planenten unentwegt nähen, um den permanenten Nachschub an fast fashion zu gewährleisten und die Leben jener Menschen – zum Beispiel in Uganda – die die Kleidung auftragen, die von Europäischen Kund:innen bequem in der Online-Filiale bestellt und gleich schon wieder abgestoßen wird, diese Leben werden durch globale ökonomische Interessen und bedenkenlose Konsument:innen aufs Spiel gesetzt.

Die Schneider:innen des Landes, sitzen entweder im Freien an ihren Singer Nähmaschinen mit Pedalbetrieb oder arbeiten im Halbdunkel ihrer Räume. Die Maschine ist ein Schmuckstück: schwarz mit goldenem Schriftzug und geschwungen Ornamenten – die Maschine ist ein Erbe des britischen Kolonialismus: nahtlos wird die koloniale Vergangenheit in die postkolonialeModerne überführt: Second Hand Kleidung flutet und schädigt mit den daraus resultierenden sozial ökonomischen Konsequenzen das Land, die lokale Textilwirtschaft und die Manufakturen werden sich ohne Strom nicht gegen die Industrie durchsetzen können.

Mpigi, Uganda | 29.6.2021

barbara caveng ist zurzeit im Rahmen des ifa Programmes ‚Künstlerkontakte‘ in Uganda. Sie beschäftigt sich u.a. mit dem Handel von Second Hand Textilien und der Praxis der Textilpflege, sowie der Herstellung von Kleidung durch lokale Schneider:innen und Designer:innen

In Lumpen für die Zukunft

In Lumpen für die Zukunft

In Lumpen für die Zukunft

Die Lumensammler:innen von STREETWARE in guter Gesellschaft der Karnevalist:innen für die Zukunft auf der Tour durch Neukölln. Am Richardplatz laufen Franziska Welp und Jan Markowsky vorne weg.
alle Fotos ©Till Rimmele

Windböen, Regen, Kälte: So hat der Umzug für den “Karneval für die Zukunft”, organisiert von Artistania e.V., am 12. Juni 2021 angefangen.
Beweise für einen Klimawandel? Vielleicht…

Alice Fassina berichtet aus der Sicht der  Lumpensammler:in.

Das Thema Umweltschutz wurde von STREETWARE und vielen anderen Berliner Gruppen und Akteuren auf  kreative Weise verteidigt. Bunt und laut sind wir durch Neukölln marschiert um mit Musik, Performances, in Kostümen und mit Wagen gemeinsam unser Bewusstsein für Umweltfragen zu fördern. Wir haben bewiesen, dass diese Auseinandersetzung nicht immer ernst und anstrengend sein muss, sondern dass es auch Spaß machen kann! Falls ihr dabei wart – konntet ihr unserem ‘clothes horse’/’Kleider-Pferd’ widerstehen? Es brachte Jung und Alt zum Lächeln! Oder habt ihr uns als farbige Wirbel beim Tanzen gesehen? Haben eure Hüften gezuckt und eure Füße gewippt?

Wir haben die Figur der Lumpensammler:innen neu erfunden: Schicht um Schicht von der Straße geretteter Kleidung trugen wir auf unseren Körpern präsentoerten sie als als fliegende Händler:innen  den Zuschauer:innen . Die feine Grenze zwischen unsere Figuren und einem Menschen, der in der Realität gezwungen ist, zu wandern, von der Straße zu sammeln und auf der Straße zu schlafen, deutete einer unserer sechs fahrbaren Wäscheständer an: Es hingen keine Kleidungsstücke an seinen Leinen, sondern es lag eine Matratze darauf.

Dank an die Lumpensammler:innen:

Alice Fassina | Céline Iffli-Naumann | Jan Markowsky | Franceska Welp | Daniel Sant | Ines Tentscher und  die Schüler:innen der Willkommensklasse von  Sakine Akguel der Otto-Hahn Schule Berlin -Neukölln, die mit uns gelaufen sind.

Weitere Infos zum Karneval für die Zukunft >

Take Back The Night – in black und mit Kartoffeln

Take Back The Night – in black und mit Kartoffeln

„Da waren nur Frauen, ob mit oder ohne Schwanz, Frauen!“
Alice Fassina

 

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Take Back The Night… in black und mit Kartoffeln!

Alice Fassina ist mit Franceska Welp auf der Feministische Demo gegen Sexismus und patriarchale Gewalt unterwegs.

 

„Für die Walpurgisnacht am 30. April sind wir, die wir uns  Frauen nennen, mit unseren fahrbaren Wäscheständern auf die „Take Back The Night“ Demo in Kreuzberg gerollt. Wir haben für eine Gesellschaft gekämpft, die nicht mehr auf der Unterdrückung von Frauen, Lesben, nichtbinären Inter-, und Trans- Personen basiert.

Unsere Waffen waren von uns gerettete schwarze Kleidungsstücke und Kartoffeln. Mit uns ist die leckere Knolle diesmal nicht auf dem Teller, sondern auf den Textilien gelandet. Kartoffeldruck als Kampfmittel für feministische Ideale! Buchstabe um Buchstabe haben wir feministische Sprüche formuliert… women empowering à la STREETWARE!

Eine Frau mit weiblichem Geschlechtsorgan, die gerne wandert? Eine Vag(in)abundin! Oder eine Clit from the Streets! Und manchmal reicht es, einen Kleiderbügel umzudrehen, als  Zeichen häuslicher Revolte.

Die Kleidung an unserem Wäscheständer hat sowohl die besonders wütenden  Mitstreiterinnen als auch zurückhaltenderen Frauen angemacht. Eines hat sie noch mehr verbunden: mit Stolz ihre neue Teilen zu tragen!“

 

 

Kein Gott. Kein Staat. Kein Patriarchat.
Franceska Welp dokumentiert den Protestzug von Alice Fassina | STREETWARE am 30.4.2021 durch Kreuzberg.

fashion revolution im Bermuda Dreieck

fashion revolution im Bermuda Dreieck

fashion revolution:  STREETshopping Touren durch Neukölln mit Alice Fassina | barbara caveng | Jan Markowsky | KDindie | Stella Cristofolini | begleitet von  Aïcha Abadi & Lina Tegtmeyer | fotografiert von Paolo Gallo

 

fashion revolution im Bermuda Dreieck

STREETshopping mit Jan & barbara

 

Er fragt nach einer Capri-Hose oder Bermuda-Shorts.
Am Reuterplatz erinnert ansonsten wenig an die Sandstrände der Inselreiche.

Die Bezeichnungen für die Beinlänge von Freizeithosen stehen in Diskrepanz zur Lebenswirklichkeit der Menschen, die sich um den verrammelten Kiosk sammeln.  Am Wodka wird nicht mit buntem Strohhalm genippt. Kein Sonnenschirmchen ziert das Leben.

STREETshopping: Stephan entscheidet sich für das rot-schwarz karierte Holzfällerhemd, Martin für den grauen Hoodie mit türkisfarbenem Reißverschluss. Michaels Wunsch nach einer Hose mit Beinfreiheit kommt auf die Liste. Eine Frau meldet ihren Bedarf an leichten, also in etwa mit 30-40 Den gewirkten Leggings an.

fashion revolution: Jan lenkt unsere fahrbare STREETWARE Kleiderkammer entlang des Lebens  auf der Straße durch den Kiez – die Ware, gewaschen und am Wäscheständer drapiert, findet ihre Abnehmer:innen. Die Leinen bleiben nicht lange frei, sondern füllen sich mit neuen, alten Kleidungsstücken – Lumpen, die wir aus dem Rinnstein heben oder vom Asphalt aufgreifen.

Als wir um 12.30 loszogen, hatte die Tour von  Stella und Alice die beiden Lumpensammler:innen längst vom Prenzl.Berg in den Wedding geführt.

Im  Verlauf des Tages  würden KDindie und  ich die Räder des Wäscheständers ob der Frage nach dem Normativ  geschlechtdefinierter Kleidung  Piroutten drehen lassen und Alice mit Gäst:innen auf den Spuren von green fashion durchs Wunderland der nachhaltigen Mode Kreuzkölln durchwandern.

barbara 

STREETshopping mit Stella & Alice

vom Prenzlauer Berg nach Wedding und Stella alleine den Weg zurück

Samstag Morgen um 9.oo gleicht der Prenzlauer Berg einem Dorf. Die Sonne scheint, es herrscht Ruhe, die Straßen sind aufgeräumt. „STREETWARE“ finden wir vor Allem säuberlich gefaltet und frisch gewaschen in „zu verschenken“-Kartons, also nicht unbedingt das, was wir suchen. Im konsumfreudigen Prenzlauer Berg hat sich diese Art der Kreislaufwirtschaft etabliert…aber auch zu DDR-Zeiten wurden hier schon regelmäßig Container aufgestellt, in die alle Anwohner*innen nicht mehr benötigte Sachen tun- oder sie entnehmen- konnten.

Auf dem Weg Richtung Wedding wird´s dann wilder, wir finden alle möglichen Klamotten auf der Straße, Perücken, Socken, Einhornmütze, bedruckte und beschriftete T-Shirts („Now-Here“ und „be reasonable- demand the impossible“)…nach 4 Stunden kehre ich mit vollbehängtem Wagen in den Prenzlauer Berg zurück. Unterwegs gab es viele schöne Begegnungen und Gespräche mit Menschen auf der Straße, und einige Kleidungstücke bin ich direkt wieder los geworden…

Stella 

STREETshopping mit KDindie & barbara

degendering fashion – ein Versuch am eigenen Leibe

KDindie

Strolling, rolling, hopping through the streets of Berlin with STREETWARE saved item won’t have been more fun during fashion revolution week. The gender bender walk talk with barbara caveng took us Kdindie out of the comfort zone…really?! Yes, because didn’t want to dress that female dress…but in the end realized was just a male stress. What are we looking for? The i-dentity, the eye contact, the perception of others about us. What to wear, an item or the i-them? The only item Berlin streets has given me that day was a toiletry bag with a teddy bear printed on acid green that matched perfectly with the long sleeve shirt. Street shopping happy kid 😉 

 (englischer Originaltext)

 

Schlendern, rollen, hüpfen durch die Straßen Berlins mit STREETWARE saved item hätte während der Fashion Revolution Week kein größerer Spaß sein können. Der Gender-Bender-Walk-Talk mit barbara caveng hat uns, KDindie aus der Komfortzone geholt…wirklich?! Ja, weil wir das weibliche Kleid nicht anziehen wollten…aber am Ende wurde klar, dass es nur ein männlicher Stress war. Wonach suchen wir? Die Ich-Identität, den Blickkontakt, die Fremdwahrnehmung . Was anziehen, ein ‚Item‘, einen Gegenstand oder geht es um das  ‚I-Them‘ , das ‚Ich – sie‘ ? Der einzige Gegenstand, den mir Berlins Straßen an diesem Tag geschenkt haben, war ein Kulturbeutel mit einem Teddybär, der auf säuregrünem Grund gedruckt war und perfekt zum Langarmshirt passte.
Street Shopping happy kid 😉

(Übersetzung)

barbara

Die Frau auf den Fotos find ich cool – wie die da steht, in violetter Gymnastikhose mit leichtem Schlag, eine farblich Reminiszenz an die militanten Forderungen der Feministinnen der second wave – damals in den 80er Jahren. Die Micky Mouse auf der Brust grinst, eher naiv denn ironisch, fern jeglicher Bay-Watch–Erotik, ein Capy mit Goldstickerei – Club Ästhetik der 90er. Kind sein, lass uns spielen…. Der Blick der Frau fällt durch die rosa getönten Gläser ihrer Sonnenbrille auf das Hinterteil eines vornüber gebeugten Körpers. Die Pose assoziiert sexuelle Handlung. Die Frau stützt ihren linken Unterarm auf dem Wäscheständer ab – der rollenden STREETWARE-Kleiderkammer, Hybridfahrzeug durch den Kiez zum STREETshopping, öffentliche Filiale des Kleiderschrankes.  

Ihre Haltung wirkt überlegen, dominant. Über ihrem Schamdreieck wölbt sich die Unterhose, eine klassische Boxer-Short, auf der genitalbetonenden Mittelnaht ist ein Schriftzug appliziert: HIGH PERFORMANCE. Das Modell stammt aus der STREETWARE Kollektion patriarchal-toxischer Unterhosen.

Die Frau bin ich, in den Kleidungsstücken, die zuvor KDindie, meine Kolleg:in und tanzschaffende Performer:in getragen hatte auf unserer STREETshopping Tour, degendering fashion‘. Nur die Unterhose hatte ich in meinem Handtäschchen mitgetragen. Für alle Fälle.

Wir hatten ein ausrangiertes Sofa in den Straßen Neuköllns zur Bühne gemacht und im verspielten Strip die Kleidung getauscht. Ich hatte mich unwohl gefühlt. Ich konnte meinen Körper nicht mehr spüren, ich hatte das Bild von mir verloren.

Die Person auf dem Foto finde ich cool. Ist es eine Frau? Bin ich es?

Nachtag

Heute, am 2. Mai, beim morgendlichen Laufen entkleidete ich einen Laternenpfahl in der Allerstraße/ Ecke Lichtenradener.
Das Rot entpuppte sich zu zwei Anzügen, Strampler für Erwachsene, mit aufknöpfbarem Hinterteil, eine L , eine M.
Urban Degendered Outfit  für unsere nächste Performance….

STREETshopping mit Alice 

green fashion mit Andrea, Massimiliano, Marina 
aufgezeichnet von Lina

Made in Berlin nicht in Bangladesh, slow statt fast, zeitloses Design, welches nicht dem Wandel der Jahreszeiten unterliegt.
Alice kennt die die Labels und Ateliers in Neukölln und Kreuzberg, die solchen Grundsätzen in ihrer Modeproduktion folgen und führt ihre Gäst:innen Andrea, Massimiliano und Marina zu C/V Corvera Vargas und Kollateralschaden.

Unsere wissenschatliche Begleiterin Dr. Lina Tegtmeyer zeichnet die Tour auf.

In Kooperation mit greenfashion tours.

STREETWARE X FASHION REVOLUTION

 

Fashion Revolution hat sich nach der Rana Plaza-Katastrophe im Jahr 2013 gegründet und bis heute zur weltweit größten Modeaktivismus – Bewegung entwickelt, die Bürger, Industrie und politische Entscheidungsträger durch Forschungs-, Bildungs- und Lobbyarbeit mobilisiert.

Die Fashion Revolution Week findet jedes Jahr in der Woche um den 24. April statt, dem Jahrestag der Rana Plaza-Katastrophe in Bangladesch. Das Rana Plaza-Gebäude beherbergte eine Vielzahl von Bekleidungsfabriken, in denen rund 5.000 Menschen beschäftigt waren. Diese Menschen stellten Kleidung für zahlreiche der größten globalen Modemarken her.  Das Gebäude stürzte ein, tötete 1.134 Menschen und verletzte mehr als 2.500 weitere.  Damit errang das Unglück  den vierten Platz innerhalb der Geschichte  der  Industriekatastrophen. Die Opfer waren überwiegend junge Frauen. Während der Fashion Revolution Week erinnern wir uns an die verlorenen Leben und fordern, dass niemand für Mode sterben muss. Es ist die Zeit, in der wir als globale Gemeinschaft zusammenkommen, um eine bessere Modeindustrie zu schaffen. 

Die Revolution findet auf der Straße statt: Schritte auf dem Asphalt machen die Melodie zum politischen Manifest. Entscheidungen werden im Schweigemarsch  eingefordert, Fäuste ballen sich zur skandierten Parole. Wir verstehen  fashion revolution  als Herausforderung unsere gewohnten Denkmuster, Produktionsweisen und  Konsumverhalten nicht nur zu überdenken, sondern als Aufforderung, diese radikal zu verändern. 
Am Samstag, den 24.4.2021 waren wir die Guides am  Wäscheständer zum
 STREET shopping –  Alice & Stella, KDindie, Jan & barbara setzten dabei eigen Tourenschwerpunkte: Jan rollt entlang eines Lebens auf der Straße,  Alice manöverierte den Wäscheständer an der Schnittstellen von Konsum und Nachhaltigkeit auf der Suche nach green fashion, barbara und KDindie  folgen den Spuren von [Geschlechter]Itdentität im Urbanen und Stella interessiert sich für Objekte, die sie findet ohne sie gesucht zu haben.

Liebe mal zwei – STREETSHOPPING mit Jacob und Jonas!

Liebe mal zwei – STREETSHOPPING mit Jacob und Jonas!

Liebe mal zwei – STREETSHOPPING mit Jacob und Jonas!

Mit dem Wäscheständer durch Neukölln auf den Spuren von Mythen und Legenden für junge Erwachsene

 

Schwarze Stiefeletten und ein Paar Turnschuhe in locker hingeworfenem Arrangement im Hauseingang zur Weserstraße 50 auf Asphalt : „Das ist doch nicht zu fassen: Ist Zoey wieder mit ihrem Exfreund Jacob zusammen? Jonas will es einfach nicht glauben. Er ist total gefrustet – und schon ist die schöne Claire bereit, ihn zu trösten.“ ²

Die abgestreifte Kleidung schweigt über die Dramen des Lebens in ihren Hüllen. Die Tour mit Jakob und Jonas atmet den Hauch der Liebe und riecht nach billigem Porno – Transparente Bodys, ein kunstledernes Sklavenhalsband mit Ring in der Rosegger Straße, eine Ecke weiter endet knapp überm Knie der Faltenrock aus dem Hause Claude Montana. Am Wäscheständer wechseln sich züchtige Kleidungsstücke und polysexual lesbarer Mode an der Leine ab. Dazwischen flattert das Blüschen mit abstraktem Muster von Karen Kane.

„Wird Jacob seiner alten Liebe widerstehen können und Zoey treu bleiben? Claire treibt ein riskantes Spiel, bei dem am Ende alle verlieren könnten.“²

Erfahrt auf der nächsten Tour, Teil 8 von ‚Boyz’n Girls‘, wer mehr Erfolg hat bei den Frauen: Jacob im Freizeithemd mit kleinem Palmenmuster oder Jonas in gelbem Poloshirt mit grünen und türkisfarbenen Streifen über dem Brustbereich? (Beide Modelle von STREETWARE saved item)

Wir werden berichten.

² Abgewandelter Klappentext  ‚Lucas, Liebe mal zwei‘ von Katherine Applegate | Arena Vrelag  |Teil 7 der Reihe „Boyz’n’Girls“

Lenken Sie mit uns einen fahrbaren Wäscheständer durch die Straßen. Lassen Sie sich inspirieren von abgestreiften textilen Hüllen und Hosenbeinen. Der Weg zum eigenen Stil führt über das Pflaster der Stadt! Rollen Sie mit uns um die Häuser und genießen Sie den Flow zirkulärer Lebensweise.

STREETWARE saved item macht Mode nachhaltig und zugänglich! Für Jede*n! Für alle!

Die zwei-/ bis dreistündige Tour findet ab März 2021 regulär einmal wöchentlich statt.
Gerne vereinbaren wir darüber hinaus individuelle Termine unter stadtfuehrung@streetware-saved-item.net

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